Tanz auf dem Xylophon

News - Ania Losinger

Samstag, 12. Oktober 2002 – Schwäbische Zeitung

ROTTWEIL – Mit den Füssen Musik machen, das können eigentlich nur Organisten, nein, das kann auch die Schweizerin Ania Losinger, die Musik mit rhythmischer Sportgymnastik verbindet, über den Flamenco zu einem akustischen Klangboden findet, aus dem heraus sich dann “ihr” Instrument, das überdimensionale Xylophon XALA entwickelt. Ihr erster Auftritt in Süddeutschland war vergangenen Donnerstag im Rottweiler “Badhaus” vor einer atemlos lauschenden Zuhörerschaft.

“Xala” ist eine Bodenkonstruktion mit 24 Klangstäben, die Bühne der Künstlerin, die aus schwerem Padoukholz besteht. Ihre Stimmung beruht auf einer diffizilen Konstruktion, ihr Klang ergibt sich durch den Wechsel von Metall und Holzbelag und wird in tiefen Frequenzen verstärkt.

Ania Losinger tanzt, bewegt sich mit Flamencoschuhen, Stöcken und verschiedenen Requisiten. Als sie, schwarz gekleidet, hereinkommt, zelebriert sie ihren Aufstieg auf das Instrument mit zeitlupenartiger Bewegung, ertastet die Klangfläche des Instrumentes mit den Schuhen, bringt töne unmerklich zum Klingen, erst aus dem Schritt heraus, dann mit Spitze und Absatz zu schnellerer Abfolge, die sich in einem rhythmischen Staccato entlädt. Zu schleifenden Kreisbewegungen klatscht Ania Losinger dann Flamencorhythmen, ein wirkungsvoller klanglicher Kontrast. Je länger sie agiert, desto geschmeidiger, innerlich kraftvoll, werden ihre Bewegungen.

Es ist eine höchst organische, minutiös austarierte Gegensätzlichkeit zwischen verschiedensten Klangereignissen. Die auskomponierten rhythmischen Strukturen erweisen sich in zunehmendem Masse als komplexe musikalische Gebilde – allein schon von dem künstlerischen Anspruch an die Präzision der Ausführung eine bewundernswerte Konzentrationsleistung.

Dass Ania Losinger dann auch noch ihren Körper in verschiedenen Aktionen – liegend, mit den Beinen über dem Kopf, auf einem Stuhl sitzend, dessen Lehne ebenfalls ein Klanginstrument wird – auf das Xylophon bringt, bewirkt geradezu eine Verschmelzung zwischen Künstlerin und Instrument, aus dem heraus eine faszinierende Vielfalt von Klängen, Rhythmen und optischen Eindrücken entsteht.

Langer Beifall und die obligatorische Zugabe für ein hochwertiges künstlerisches Ereignis.

Heinz R. Gallist

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