{"id":14249,"date":"2026-01-26T16:21:48","date_gmt":"2026-01-26T15:21:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.anialosinger.com\/tonspektakel-auf-der-xala\/"},"modified":"2026-01-26T16:21:48","modified_gmt":"2026-01-26T15:21:48","slug":"tonspektakel-auf-der-xala","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anialosinger.com\/en\/tonspektakel-auf-der-xala\/","title":{"rendered":"Tonspektakel auf der Xala"},"content":{"rendered":"<p>Sonntag, 6 Oktober 2002 &#8211; Acher-B\u00fchler-Bote<\/p>\n<p>Die Schweizer T\u00e4nzerin Ania Losinger begeisterte im Fautenbacher &#8220;Wagen&#8221;. Ihre Performance auf der Xala, einem zumeist mit den F\u00fcssen gespielten viereinhalb Quadratmeter grossen Holzxylophon, verbl\u00fcffte mit virtuosen Klangstrukturen. <\/p>\n<p>Die 1970 in Bern geborene Ania Losinger w\u00fcrde nach einer ganzen Reihe von internationalen Auftritten gerne einmal ihre Kunst in Uebersee vorf\u00fchren. Einladungen liegen bereits vor, aber welche Last h\u00e4tte sie zu tragen: Ihr begehbares Instrument, die Xala, ist f\u00fcr das Handgep\u00e4ck denkbar ungeeignet. Es besteht aus 24 h\u00f6lzernen Klangst\u00e4ben, die aneinandergereiht eine Bodenfl\u00e4che von 2,6 mal 1,7 Meter bilden und \u00fcber 400 Kilogramm wiegen.  <\/p>\n<p>Nach Achern war Ania Losinger aber der weg nicht zu weit und sie konnte hier immerhin ihre S\u00fcddeutschland-Premiere feiern. Dass ihr Auftritt am \u201cTag der Deutschen Einheit\u201d wirklich zu einer grandiosen \u201cFeierstunde\u201d geriet, verdankt sie jedoch nicht nur ihrer zutiefst verbl\u00fcffenden Kunst, sondern auch dem phantastischen Publikum. Die Acherner liessen sich vom g\u00e4nzlich Ungewohnten von Anfang an begeistern und zollten der K\u00fcnstlerin nach jedem Tanzst\u00fcck grossen, oft enthusiastischen Applaus.  <\/p>\n<p>Bei den Darbietungen herrschte \u00fcbrigens im Saal absolute Ruhe. Diese war jedoch zwingend, da bei manchen Teilen der Tanz-Performance sogar das Knarren eines Stuhles unangenehm aufgefallen w\u00e4re. In dieser wohltuenden Stille konnte sich Ania Losingers Kunst gl\u00e4nzend entfalten. Schon allein der Beginn: Sie betrat die Xala behutsam, mit vorsichtig vorw\u00e4rts tastendem schritt. Da, die ersten T\u00f6ne, nichts Ungew\u00f6hnliches, so mag es klingen, wenn man auf Holz spazieren geht. Doch pl\u00f6tzlich geht es los, die in Flamencoschuhen steckenden F\u00fcsse arbeiten einen Rhythmus heraus. Je nachdem auf welchem, genau bemessenen Platz Ania Losinger \u201cauf der Stelle tritt\u201d, ver\u00e4ndert sich der Ton. Eine atemlose Spannung erfasst inzwischen die Zuh\u00f6rer, die sich in einem allm\u00e4hlich rasant werdenden Kreistanz der K\u00fcnstlerin l\u00f6st. Energisch knallen die Abs\u00e4tze auf das Holz. Dabei entstehen virtuose, hochzahlige Taktfrequenzen. Diese werden von sch\u00f6nen Obert\u00f6nen begleitet, die der Musik ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.          <\/p>\n<p>Dass dieses unerh\u00f6rte Tonspektakel gelingen konnte, liegt zuallererst an der aufw\u00e4ndigen, hoch pr\u00e4zisen Entwicklungsarbeit, bis zur Fertigstellung der Xala. Ein Jahr intensiver Forschung und vielerlei Experimente in Zusammenarbeit mit einem profilierten Schweizer Instrumentenbauer brauchte es, um die konkreten Wunschvorstellungen der T\u00e4nzerin zu erf\u00fcllen. 25 000 Euro kostete das fertige, mit Schallabnehmern ausgestattete \u201cXylophon\u201d.  <\/p>\n<p>Ania Losinger tanzt auf dem Xala aber nicht nur mit den Schuhen. Zus\u00e4tzlich benutzt sie lange Holzst\u00e4be, Claves und sogar einen Klangholz-Stuhl. So war jedes \u201cLied\u201d anders, ungewohnt neu und eindr\u00fccklich. Einiges klang sakral und geheimnisvoll, in seiner ernsten Tiefe ersch\u00fctternd. Dies wurde durch Ania Losingers K\u00f6rpersprache bestens unterst\u00fctzt. Dabei blieb ihre charismatische Pr\u00e4senz stets nat\u00fcrlich und vermittelte damit aufs Beste die Essenz des 800 Jahre alten R\u00e4tselspruchs eines l\u00e4chelnden Zen-Buddhisten, der auf der Frage nach der \u201cwahren Buddha-Natur\u201d antwortete: \u201cOffene Weite \u2013 Nichts von heilig\u201d.     <\/p>\n<p id=\"autor\"><em>Wolfgang Winter<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer T\u00e4nzerin Ania Losinger begeisterte im Fautenbacher &#8220;Wagen&#8221;. 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