{"id":14103,"date":"2026-01-26T11:10:16","date_gmt":"2026-01-26T10:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.anialosinger.com\/taenzerin-auf-magischem-klangkoerper\/"},"modified":"2026-01-26T11:10:16","modified_gmt":"2026-01-26T10:10:16","slug":"taenzerin-auf-magischem-klangkoerper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anialosinger.com\/en\/taenzerin-auf-magischem-klangkoerper\/","title":{"rendered":"T\u00e4nzerin auf magischem Klangk\u00f6rper"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\">\n<p>Freitag, 26 Juni 2009 &#8211; Tagesanzeiger<\/p>\n<h6>Die Bernerin Ania Losinger ist die einzige Musikerin der Welt, die das Xala spielt, ein Bodenxylofon. Im Duo mit Matthias Eser am Marimbafon entsteht eine schwerelose Minimal Music. <\/h6>\n<p>Es kann schon mal passieren, dass die beiden beim Sprechen einen einzelnen Satz gemeinsam bauen. \u00abAuch versierte H\u00f6rer erkennen kaum mehr, welcher Klang von welchem Instrument kommt\u00bb, sagt Ania Losinger, und Matthias Eser vollendet: \u00abDas ist heute so, aus einer langen Arbeit heraus.\u00bb Losinger und Eser bewohnen ein 300-j\u00e4hriges Bauernhaus im bernischen Gerzensee, zu dem sich eine enge Strasse hinaufschl\u00e4ngelt. Draussen pl\u00e4tschert ein Brunnen, ein H\u00fcndchen streunt um ein paar Klafter gestapelten Brennholzes, gewaltig erhebt sich eine H\u00e4ngebuche an der R\u00fcckseite des Hauses. Eine Idylle. Und leicht kann man sich vorstellen, wie Losinger und Eser hier eine ideale Atmosph\u00e4re f\u00fcr ihr Arbeiten gefunden haben.<br \/>\nSie musizieren im Duo &#8211; Eser auf dem Marimbafon, einem xylofon\u00e4hnlichen Instrument mit h\u00f6lzernen Schwingk\u00f6rpern; Ania Losinger auf dem Xala, einer Art \u00fcberdimensioniertem Bodenxylofon aus Holz- und Metalltonerzeugern. T\u00f6ne, die verschmelzen, sodass man nicht mehr weiss, woher sie kommen: Das ist auf \u00abThe Five Elements\u00bb, der eben erschienenen CD der beiden, zu h\u00f6ren. Zusammen leben, zusammen musizieren: Wie Sun Ra oder Hermeto Pascoal, die ihre Musik nur kreieren konnten, indem sie mit den Musikern ihrer Bands zusammenwohnten, scheint auch in Losingers und Esers Musik vieles nur m\u00f6glich, weil sie privat ein Paar sind. \u00abDu sitzt auch mal beim Zmorge da\u00bb, sagt Losinger, \u00abund pl\u00f6tzlich f\u00e4llt dir etwas ein.\u00bb       <\/p>\n<h6>Ausgangspunkt ist die Xala<\/h6>\n<p>Ausgangspunkt dieser Musik, die manchmal so opulent klingt, als w\u00fcrde ein ganzes Orchester musizieren, ist die Xala &#8211; das wiederum unweigerlich auf Losingers Biografie verweist. 1970 in Bern geboren, besch\u00e4ftigte sich Ania Losinger fr\u00fch mit Flamencotanz, studierte Rhythmik, suchte schliesslich nach einer Verbindung von Tanz und Musik. Mit dem Instrumentenbauer Hamper von Niederh\u00e4usern entwickelte sie 1998\/99 das Bodenxylofon Xala. \u00abNie werde ich den Moment vergessen, als das Xala hier in Gerzensee erstmals im Haus stand\u00bb, erinnert sich Losinger heute. \u00abSoll ich jetzt draufstehen?\u00bb, habe sie sich gefragt.    <\/p>\n<h6>400 Kilogramm schwer<\/h6>\n<p>Das Xala hat eine Grundfl\u00e4che von rund zwei mal zwei Metern. Etwa zwanzig Zentimeter hoch und \u00fcber vierhundert Kilo schwer, besteht es aus 24 Klangpaletten aus ostafrikanischem Padoukholz. Darauf virtuos tanzend (\u00abIch musste zuerst \u00fcberhaupt lernen, wie man auf diesem Instrument \u00fcbt\u00bb), evoziert Ania Losinger eine eigenartige, magische Musik zwischen Klang und Rhythmus. Mit Flamenco-Schuhen bringt sie die T\u00f6ne zum Klingen, h\u00e4lt in jeder Hand einen menschenhohen Stab und spielt am Ende das Xala also mit allen vier Gliedmassen. Das Ergebnis ist eine Kunst zwischen Tanzperformance und Musik &#8211; kein Wunder, hat Losinger ihre Produktionen bis anhin auf DVDs festgehalten.<br \/>\nDoch \u00abThe Five Elements\u00bb mit Matthias Eser ist nun als blosse CD erschienen. Eine minimalistisch gepr\u00e4gte Musik, in der Konzeptionelles genauso eine Rolle spielt wie in endlosen Proben instinktiv Ausget\u00fcfteltes. In f\u00fcnf Teile ist die Musik gegliedert &#8211; \u00abEarth\u00bb, \u00abWater\u00bb, \u00abFire\u00bb, \u00abMetal\u00bb und \u00abWood\u00bb. Den Taktarten liegen rhythmische Ger\u00fcste zugrunde, die laut Losinger auf chinesischer Zahlensymbolik f\u00fcr die Elemente gr\u00fcnden.<br \/>\nFast zwanzig Minuten dauert das erste St\u00fcck, \u00abEarth\u00bb. Ein F\u00fcnfviertelpattern als Grundlage. Dar\u00fcber wachsen andere Muster, verzahnen sich. Ein irisierender Zauber aus Klangfarben und eine unheimlich pr\u00e4zise, klangliche H\u00e4kelarbeit. \u00abIch habe nur zwei Oktaven auf dem Xala\u00bb, sagt Losinger. \u00abAber diese Oktaven sind daf\u00fcr extrem stark\u00bb, wirft Matthias Eser ein und f\u00e4hrt fort: \u00abGewisse thail\u00e4ndische Gongs, die ich zus\u00e4tzlich spiele, klingen nur bei einem ganz bestimmten Ton gut &#8211; wir konnten also ein St\u00fcck beispielsweise nicht einfach eine Terz tiefer spielen.\u00bb            <\/p>\n<h6>Viel Sanftheit<\/h6>\n<p>Man wird von der Klanglichkeit dieser Musik umgarnt. Da ist viel Sanftheit. Und doch zeigt schon das erste St\u00fcck, was dieses Album auch sonst auszeichnet: Bei aller Klangmagie ist \u00abThe Five Elements\u00bb weit entfernt von einer akustischen Idylle. Raffiniert, wie Kl\u00e4nge manchmal durch die Art ihres Anschlags ins Schroff-Trommelartige changieren. Pl\u00f6tzlich sind sie Schl\u00e4ge. Und auch umgekehrt: Schl\u00e4ge sind wieder Kl\u00e4nge. Ja, Klang und Rhythmus sind dasselbe, man soll sie gar nicht als Gegensatz denken. \u00abWenn Rhythmen pr\u00e4zis gespielt sind\u00bb, meint Losinger, \u00abwird der Klang gross.\u00bb<br \/>\nDiese Musik ist nun nicht nur rhythmisch, sie groovt auch. Wie die T\u00f6ne genau phrasiert sind &#8211; das macht es aus. Und was auch noch dazu beitr\u00e4gt, dass man bei \u00abThe Five Elements\u00bb nicht an esoterische Weichzeichnerei denkt: Hier wird auch mal ordentlich zugepackt. Harte, pochende Kl\u00e4nge \u00fcberlagern h\u00e4ufig die samtenen Grundkl\u00e4nge &#8211; durch einen milden Wolkenhimmel h\u00f6rt man pl\u00f6tzlich die Donner grollen.          <\/p>\n<h6>Metallisch und feurig<\/h6>\n<p>So verschieden die Elemente wie Wasser oder Erde sind, so verschieden sind die Klangbilder der f\u00fcnf St\u00fccke. \u00abMetal\u00bb etwa arbeitet zun\u00e4chst mit wenigen Tieft\u00f6nen. Eine zerl\u00f6cherte, zerfaserte Minimalstruktur. Wie anders ist \u00abFire\u00bb, das von einem schnellen, bezaubernden Minimalpattern gepr\u00e4gt ist. Eine enorme Leichtigkeit: Das Feuer versengt in diesem St\u00fcck gar nichts, ist vielmehr ein heiter flackerndes Z\u00fcnglein. Doch auch hier wird das schwerelose, klangverliebte Brodeln bald von harten perkussiven Attacken angegangen.<br \/>\nEser und Losinger, deren Geh\u00f6ft in Gerzensee auf einer Anh\u00f6he namens Friedberg liegt, wissen eben nur allzu gut: Ihre Musik, demgegen\u00fcber, vertr\u00e4gt nicht nur die Idylle.     <\/p>\n<p id=\"autor\"><em>Christoph Merki<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man wird von der Klanglichkeit dieser Musik umgarnt. Da ist viel Sanftheit. Und doch zeigt schon das erste St\u00fcck, was dieses Album auch sonst auszeichnet: Bei aller Klangmagie ist \u00abThe Five Elements\u00bb weit entfernt von einer akustischen Idylle. 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